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Wenn Beschäftigte Angehörige pflegen müssen

„Wirtschaft um Vier“ gab Praxistipps für Arbeitgeber

„Mit Familienfreundlichkeit zu neuer Energie“ – so lautete das Motto der zweiten Ausgabe der Vortragsreihe „Wirtschaft um Vier“, initiiert vom Krefelder Netzwerk Wirtschaft & Familie.

Für 91 Prozent der 25-39-Jährigen ist Familienfreundlichkeit im Beruf heute mindestens genauso wichtig wie die Vergütung. Das ergab eine Umfrage der Roland Berger Unternehmensberatung, auf die Sabrina Benighaus vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik bei ihrem Vortrag Bezug nahm. Und so befand auch Kerstin Abraham, Vorstand der SWK, in deren Räumen die Veranstaltung mit rund 70 Teilnehmern stattfand, in ihrem Begrüßungsstatement: „Familienfreundlichkeit ist ein Attribut, was man als Arbeitgeber heute bringen muss.“ Gut die Hälfte der Belegschaft bei der SWK ist älter als 45 Jahre und so sei es kein Wunder, dass das Thema Pflege von Angehörigen das gefragteste sei, wenn die Mitarbeiter*innen um Rat und Hilfestellung fragen.

Das Thema stand daher auch im Mittelpunkt bei „Wirtschaft und Vier“. Sabrina Benighaus empfahl, dass es im Unternehmen einen Ansprechpartner rund um das Thema Elder Care/Pflege von Angehörigen geben sollte. Mehrtägige Qualifizierungslehrgänge geben das nötige Rüstzeug an die Hand. Die Wirtschaftsförderung Krefeld bietet zum Beispiel in Kooperation mit der AWO ein solches Seminar zum so genannten Pflegelotsen für 120,- € an. Auch der digitale Pflegekoffer auf den Seiten des Netzwerks Wirtschaft & Familie kann helfen. Diese Informationsplattform dient der Unterstützung zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Gebündelt findet man hier alle wichtigen Informationen und Kontaktstellen zu dem Thema und erhält so eine erste Orientierungshilfe.

Michael Fechler von der Unternehmerschaft Niederrhein versuchte in seinem Vortrag einen Überblick über die Gesetzeslage und den Unterschied zwischen Pflegezeit- und Familienpflegezeitgesetz zu geben, mahnte jedoch direkt zu Beginn: „Wenn jemand meint, Jura sei trocken, dann hat der Gesetzgeber hier alles dafür getan, diese Ansicht zu manifestieren.“ Dennoch gelang es Michael Fechler, ein wenig Licht ins Dunkel des Paragraphendschungels zu bringen.

So haben Arbeitnehmer beispielsweise nach dem Pflegezeitgesetz im Falle einer Akutpflege einen Anspruch auf zehn freie Tage: „Da genügt es, wenn ich dem Chef sage, ich bin dann mal weg, meine Mutter ist die Treppe runtergefallen. Damit ist das Ding durch.“ Die Vergütung erfolgt während der Freistellung weiter – je nach tariflicher Regelung entweder durch den Arbeitgeber oder durch die Pflegekasse.

Bei der Langzeitpflege erfolgt über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten eine vollständige oder teilweise Freistellung des Mitarbeiters, damit dieser sich daheim um die Pflege seines Angehörigen kümmern kann. Der Arbeitgeber trägt hierbei die Vergütung, soweit die Arbeitsleistung erbracht wird. Für den weiteren Vergütungsanteil können durch die Beschäftigten über das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) Mittel in Anspruch genommen werden. Der Arbeitgeber hat zudem die Möglichkeit, eine Ersatz-Arbeitskraft einzustellen.

Besteht dann noch längerer Pflegebedarf, schließt sich das Familienpflegezeitgesetz an. Der größte Unterschied ist: Hierbei muss gearbeitet werden, eine vollständige Freistellung ist nicht möglich. „Ich habe als Mitarbeiter einen befristeten Teilzeitanspruch und muss wenigstens 15 Stunden die Woche arbeiten. Und das ist auch wichtig, dass ich als pflegender Angehöriger weiter mit einem Fuß auch in der beruflichen Welt bleibe“, meint Michael Fechler.

Kristina Freiwald, Organisatorin der „Wirtschaft um Vier“-Reihe von der Wirtschaftsförderung Krefeld, sieht das Netzwerk Wirtschaft & Familie auf einem guten Weg: „Wir setzen Impulse für mehr Familienfreundlichkeit und begleiten Unternehmen auf ihrem Weg dorthin. Familienfreundlichkeit ist ein entscheidender Schlüssel zur Fachkräftegewinnung und -bindung“. Es sei wichtig geworden, den Menschen hinter der Fachkraft zu sehen. „Allein die Vergütung reicht heute nicht mehr aus, um Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten“, ist Kristina Freiwald überzeugt.

Die nächsten Impulsvorträge innerhalb der Reihe „Wirtschaft um Vier“ wird es am 5. Mai 2020 geben. Dann geht es unter der Überschrift „Mit Familienfreundlichkeit Belastungen standhalten“ um psychische Belastungen am Arbeitsplatz und wie diesen begegnet werden kann. Eine Anmeldung ist bereits jetzt über das Formular möglich.

Den Vortrag der vergangenen Veranstaltung, können Sie hier online einsehen.

Impressionen

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kristina.freiwald@
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